Alchemie und Freimaurerei
 

Aufstieg der Seele

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 Die Putrefactio wird fortgesetzt. Alles löst sich auf und die Seele in Form eines Kindes erhebt sich zum Himmel. Richtigerweise ist es nur eine Seele. Die wahre Ganzheit ist immer noch nicht erreicht, sondern nur verheissen. Im Unterschied zu den ersten Bildern ist jedoch insofern ein grosser Fortschritt festzustellen, als das Symbol der Vereinigung nun menschlich geworden ist, eine menschliche Form angenommen hat.  

Dies ist nun eines der kritischsten Stadien des Prozesses. Ein Zustand der vollkommenen Desorientierung. Die Seele droht nämlich auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden. Man ist von allen guten Geistern verlassen. Gemeint ist hier ein Zustand der vollkommenen Desorientierung und Niedergeschlagenheit. Hier besteht nun echt die Gefahr, dass ein Mensch in diesem Zustand sozusagen stecken bleibt.

Psychologisch gesehen können nun latente Psychosen ausbrechen. Deshalb sagt ein Alchemist: "Dies (d.h. die Putrefactio) ist ein grosses Zeichen bei dessen Erforschung Einige zu Grunde gegangen sind". 

Die "Kunst" wird versuchen die Seele am endgültigen Entweichen zu hindern und sie gewissermaßen aufzufangen. Dazu dient nun der philosophische Merkurius, ein alchemistisches Lösungsmittel, das die flüchtigen Bestandteile bindet. Psychologisch gesehen, ist es ein kontrollierter und bewusster Einsatz von Phantasien und deren meditative Verarbeitung. Auch die Symbolik spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn was wir im Symbol begreifen, hat eine ordnende Wirkung auf unser Inneres.

Trotz der äusseren Düsternis, die der Nigredo anhaftet, wird sie doch paradoxerweise von den Alchemisten überschwänglich gerühmt: 

"O gesegnete Natur und gesegnet ist dein Wirken, weil du aus dem Unvollkommenen das Vollkommene machst durch die wahre Faulung, die schwarz und dunkel ist. Nachher lässt du neue und mannigfaltige Dinge keimen, mit deiner Grüne lassest du die verschiedenen Farben erscheinen." 

Auch der Mystiker Johannes vom Kreuz, der etwa zur gleichen Zeit lebte, als das Rosarium verfasst wurde, fasste die "geistige Nacht" der Seele als einen durchaus positiven Zustand auf, weil das unsichtbare göttliche Licht sie dabei durchdringe und läutere. 

Durch Tod zum Leben und "Post tenebras lux". Nach der Finsternis folgt das Licht. Die zum Himmel emporgestiegene Seele bereitet dort ihre Rückkehr auf die Erde vor. Sie vereinigt sich mit "den Kräften des Oberen" und bringt diese auf die Erde hinunter, wie es das nächste Bild zeigt.

 
 
 

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