Opus Magnum Metaphysicum
Die Vorarbeit liegt in der Umkehrung der
Aufmerksamkeit von Aussen nach Innen. Dies führt einerseits dazu, die
eigene Unvollkommenheit mutig anzunehmen und andererseits zum
Gewahrwerden einer Menge Dinge über sich selbst, die man nicht weiss.
Modern ausgedrückt, zur Wahrnehmung des Unbewussten.
Das Vokabularium für das in der
eigenen Seele Wahrzunehmende wurde in der heutigen Zeit von der
Tiefenpsychologie geprägt, die sich als erste wissenschaftliche Disziplin
wieder ernsthaft mit der lange vergessenen Alchemie beschäftigte, da es
sich zeigte, dass fast alle in der Alchemie verwendeten Symbole, auch in
den Träumen und Phantasien moderner Menschen vorkommen. Dies führte C.G.
Jung, den Begründer der Tiefenpsychologie, dazu, die Existenz von sog.
Archetypen anzunehmen. Archetypen sind seelische Komplexe, die bei allen
Menschen aller Zeiten und Zonen vorkommen und sich spontan in Träumen,
Phantasien, Märchen und Sagen etc. äussern.
Komplex hier in des Wortes eigentlicher
Bedeutung, also Ansammlungen seelischer Inhalte. Es handelt sich nicht
um etwas krankhaftes wie beim sog. autonomen Komplex, der ein
unterdrückter, seelischer Inhalt meint, der sich abgespalten hat und
dadurch Störungen des bewussten Ich's verursacht.
Ich werde mich im folgenden weitgehend
der psychologischen Sprache bedienen, was jedoch nicht heissen will, bei
den beschriebenen Dingen handle es sich um blosse Einbildungen.
Wir wollen nun in einen Prozess der
mystischen Alchemie einsteigen und uns anhand einer alchemistischen
Bilderserie aus dem 16. Jahrhundert einige Stufen des Prozesses vor
Augen führen. Es handelt sich dabei um das
"Rosarium
Philosophorum",
erstmals erschienen in Frankfurt im
Jahr 1550.