Stadt an der der Strom die Biegung wagt-

denke der Gefilde um das Knie:

Lass dich hüten und behüte sie.

Henry Benrath

 

 

 

 

DER WEG NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA

Eine im 9. Jahrhundert sich verbreitende Legende behauptete, man habe, geführt von geheimnisvollen Lichterscheinungen, in Galizien an der äussersten Westküste des europäischen Festlandes, das Grab des Apostels Jakobus, des Bruders des Johannes, entdeckt. Im Laufe der Jahre wuchs die Legende und verbreitete sich im ganzen Abendland.

Bald schon setzten Wanderungen zu seinem Grabe ein und wie man nach Rom, nach Jerusalem wallfahrte, pilgerte man auch nach Compostela.

Der über spanisches Gebiet führende, letzte Abschnitt dieses Pilgerweges ist die fast 1000 Kilometer lange Wegstrecke durch die Pyrenäen und das kantabrische Gebirge, die grösstenteils zwischen 4236' und 4230' nördlicher Breite liegt.

Verschiedene Pilgerstrassen aus ganz Europa mündeten in diesen "Sternenweg", wie er nach alter Überlieferung ebenfalls genannt wurde.

Es handelt sich dabei eigentlich um einen der jahrtausendealten Einweihungswege die noch aus atlantischer Vorzeit stammen. Ein anderer ähnlicher Weg führt vom Mont Saint Michèle über St. Odile nach Osten. Noch ein anderer geht von Glastonbury aus ostwärts.

Der Jakobsweg bildet auf der Erde die Milchstrasse nach, wie die französischen Marienkathedralen das Sternbild der Jungfrau und die Benediktiner-Abteien dasjenige des grossen Bärens.

Er stellt damit eine Verwirklichung des alten Initiationsgeheimnisses: "Wie oben, so unten", dar.

Auf die Sterne trifft man am Jakobsweg immer wieder und bereits im Namen Compostela klingen sie an, das ebenso gut von "Campus Stellae", Sternenfeld, herkommen kann, wie von Kompost, wie Philologen behaupten.

Auffallend viele Ortsnamen beziehen sich auf die Sterne. Da gibt es u.a. Estella (baskisch Lizzara was ebenfalls Stern bedeutet). Dann Licharra was sicher eine Abwandlung von Lizarra ist. Weiter Astray, Lizarraga (was Sternenhaufen heissen kann). Dann noch Liciella, Aster und Astorga.

Alles Namen die ihrer Bedeutung nach oder semantisch mit Sternen in Beziehung stehen.

Auf vielen Kunstwerken sind sie abgebildet und auch ein moderner Künstler hat sie in seiner Darstellung der Jakobslegende eingefügt.

Am Ende der Milchstrasse befindet sich das Sternbild des Hundes dessen Hauptstern, der Sirius, der Hundsstern ist, der bekanntlich in den alten Kulturen schon immer von grosser Wichtigkeit war.

Folgerichtig trifft man auch den Hund auf dem Sternenweg an. Er spielte in der Legende um das Apostelgrab eine Rolle und ich fand ihn auch am Sarkophag des San Milan de Suso, der einer der vielen Baumeister-Heiligen war.

Das Kreuz auf der Brust des "Heiligen" ist absolut untypisch und kein sog. "christliches" Kreuz sondern in dieser und ähnlichen Formen ein uraltes Zeichen der Eingeweihten.

Was ist nun an diesem "Sternenweg", diesem Pilgerpfad nach Compostela so besonderes?

Zunächst einmal war er eine Art Lehrpfad für Maurer, Steinmetzen und Baumeister.

Er war aber noch mehr, er war auch ein eigentlicher Einweihungsweg.

Der Beruf oder die Tätigkeit eines Baumeisters verlangte zu jener Zeit viel mehr als heute. Der Baumeister einer Kirche, einer Kathedrale gar, war damals - wie übrigens mit Ausnahme der letzten zweihundert Jahre zu jeder Zeit - auch ein wahrer Eingeweihter, ein Adept.

Er musste nicht nur die Kunst des Bauens vollkommen beherrschen, sondern mindestens noch Musik und Astronomie (Astrologie) studiert haben, aber auch Kabbalah, Arithmetik, Symbolik und vieles mehr.

Zu guter letzt war er meistens ein Priester und viele der damaligen Baumeister des Weges wurden später heilig gesprochen.

Wir finden schon sehr früh Abbildungen von Heiligen und Aposteln mit dem Winkel. Baumeister und Priester in einem.

Nur als Adept, d.h. als ein auch in die Mysterien eingeweihter Priester, der praktisch alle damals bekannten Wissenschaften und Künste beherrschte, war ein Baumeister in der Lage, ein Bauwerk, sei es Strasse, Brücke oder Kirche, in allen drei Bereichen, im Geist, in der Astralsphäre und in der Materie zu fundieren und zu erbauen.

Eine solche dreifache Verankerung ist aber notwendig, wenn ein Bauwerk Bestand haben soll. Auch seine Tauglichkeit im religiösen und kultischen Bereich als Brunnstube geistig-seelischer Kräfte hängt wesentlich davon ab.

Zu den Erkenntnissen der Adepten gehörte auch das Wissen um die tellurischen Strömungen. Wichtige Bauwerke wurden deshalb an Plätzen mit möglichst starken, positiven Unterströmungen gebaut, manchmal auch an Plätzen mit negativen Kräften, die dann aber durch die Kunst des Baumeisters harmonisiert und positiv umgepolt wurden. Die okkulten, dh. verborgenen Kräfte der Erde wurden auf diese Weise in den Dienst der Initiation gestellt und für das umliegende Land und dessen Bewohner fruchtbar gemacht. Diese tellurischen Energieflüsse sind die Drachen der Sage, die von einem Heiligen oder Helden bezwungen werden.

Auch die Schöpfer des Initiationsweges nach Santiago verfolgten diese Ziele.

Leider ist zuviel von ihrem Wissen verloren gegangen, so dass es uns nicht mehr möglich ist, die ursprüngliche Bedeutung des Weges und seiner Stationen richtig zu entschlüsseln und Vieles wird Spekulation bleiben müssen.

Ich werde nun, anhand dessen, was ich auf dem Weg nach Santiago selber beobachtet habe, einige Thesen aufstellen.

Vorerst, und sozusagen auf seiner ersten Stufe, ist der "Camino" eine Pilgerweg im sozusagen profan-religiösen Sinne.

Auf einer zweiten Stufe ist er Lehrpfad für Steinmetze, Meistermaurer und Baumeister.

Auf dritter und höchster Stufe aber, ist er ein wahrer esoterischer Einweihungsweg, denn er führt zu einem Mysterienort, ja ist dieser Mysterienort selbst.

Ist somit Weg und Ziel zugleich. Als Ganzes ein Ort, an welchem man eine wahre und echte Initiation erfahren konnte.

Der Jakobsweg als religiöser Pilgerweg

Zitat aus dem Buch "Strassen nach Santiago de Compostela" von H.G. Kaufmann/Alois Fink:

" ... schon sehr früh hatte sich die Verehrung des hl. Jakob im deutschen Sprachgebiet verbreitet. Die ersten Zeugnisse erscheinen bereits im 9. Jahrhundert. Überall entstehen jetzt Jakobskirchen und Jakobspatronizien. Ein starker Impuls ging von den iro-schottischen Mönchen aus, die anno 1090 als ihren Hauptsitz das Jakobskloster in Regensburg gründeten, das noch heute 'Schottenkloster' genannt wird.

Viele Menschen begannen das Grab. des hl. Apostels zu besuchen. Wer die Reise nach Jerusalem nicht auf sich nehmen konnte und Rom als zu leicht empfand, pilgerte an das Apostelgrab.

Die Pilger, die unterwegs nicht starben und zurückkehrten, brachten als äusseres Zeichen die Jakobsmuschel mit, das Zeichen des erfolgreichen Pilgers."

Damit wurde eine alte Tradition wieder belebt, denn dieser "Sternenweg" war bereits vorchristlichen Völkern bekannt und wurde von ihnen schon als Initiationsweg benutzt.

Im Zuge einer damals erhofften und erstrebten Neuordnung der Welt, wurde dieser alte Weg wieder eingerichtet und begehbar gemacht, als Abbild der Milchstrasse auf der Erde.

Für uns von besonderem Interesse ist sicher der Umstand, dass es vor allem iro-schottische Mönche waren, welche diese Pilgerfahrt und diesen Pilgerweg propagierten.

Zur quasi profan-religiösen Seite des Pilgerweges möchte ich hier, als eigene Entdeckung, ein Altarbild aus "San Juan de Ortega" das die Darstellung des Jüngsten Gerichtes zum Thema hat, anführen.

Was daran auffällt ist, dass die Hände der Auferstehenden sicher bewusst vom Künstler alle so gestaltet wurden, dass sie fast an Jakobs-Muscheln erinnern. Es ist, als wollten alle damit zum Ausdruck bringen: "Ich bin bzw. war ein Jakobs-Pilger"

Die Menschen schauen deshalb auch meist ruhig und sehr zuversichtlich zum Himmel empor. Die Aussage des Bildes ist klar, stammt aber bereits aus einer späteren Zeit.

Der Jakobsweg als Lehrpfad für Baumeister

Charpentier stellt in seinem Buch "Santiago de Compostela" die These auf, der Weg nach Santiago sei eine Art Lehrpfad für Kirchenbau.

Konkret habe ich dazu folgende Beobachtungen gemacht:

Die Art der Bauwerke ist ausserordentlich vielfältig. Von der einfachen Basilika bis zur achteckigen Kirche und der grossen Kathedralen ist alles vorhanden, und zwar meistens in verschiedenen Versionen.

Vielfach sind sehr merkwürdige Bauformen zu sehen. So. z.B. die Krypta der Klosterkirche in Leyre, in welcher alle Kapitelle unverhältnismässig gross sind, währenddessen die Säulen fast nur Stümpfe sind.

Sind das Studien- und Schauobjekte für Lehrlinge ?

Dann aber auch in Santiago selber, wo eine Kirche steht, die absichtlich schräge Wände hat! Ein Lehrstück der Statik oder hat das einen esoterischen Grund ?

Es bestehen verschiedene Fenster- und Bogenformen, was man gemeinhin dem arabischen Einfluss zuschreibt, aber teilweise ebenso gut auch einer Lern- und Experimentierfreude zu verdanken sein könnte.

Ich bin überzeugt, dass eine genauere Prüfung aller auf dem Weg befindlichen Objekte diesbezüglich noch manches Material an den Tag bringen würde.

Die Beziehungen der Wegstationen und des sog. Apostelgrabes zu den tellurischen Strömungen müssten ebenfalls noch genauer untersucht werden. Laut B. Merz ist der Punkt über dem Apostelgrab ein äusserst starker Kraftort mit 21'000 Bovis-Einheiten, noch stärker als Chartres (18'000). Man gelangt zu dieser Stelle, indem man einen speziellen Weg beschreitet, der über eine schmale Treppe hinter der lebensgrossen Statue des Apostels hindurch führt.

Nach meinem Gefühl sind auch unter den Stationen am Weg einige sehr starke Orte.

Vor allem "San Domingo de la Calzada", "San Milan de Suso" und "San Juan de Ortega". Diese drei waren übrigens alle als Baumeister bekannt und berühmt.

Eine Beobachtung die im Zusammenhang mit tellurischen Strömen sein könnte, machte ich im Kreuzgang des Klosters "St. Domingo de Silos". Er weist zwei seltsam verdrehte Säulen auf. Solche Drehungen, besonders wenn sie am ganzen Bauwerk einmalig sind, weisen oft auf einen Wirbel, dh. eine starke Quelle fluidischer Erdströmungen hin.

Nach einem Hinweis von Mettler in der Schweizerischen Zeitschrift für Radiästhesie waren auch die mittelalterlichen Pilgerstrassen selbst nach geomantischen Gesichtspunkten angelegt. Sie liegen überall auf Zonen mit B-Werten von 7 - 10'000 Einheiten. (Normal sind 6'500 E.)

Weiter will ich auf dieses interessante Gebiet der tellurischen Strömungen hier nicht eingehen, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Eine andere äusserst interessante Tatsache ist die, dass die uralte Tradition der Lichtgebung durch, auf die Position der Sonne zu bestimmten Zeitpunkten des Jahres abgestimmte Fenster, auch in San Juan de Ortega angewandt wurde.

Hier gibt es ein Säulenkapitell, das an sich schon fast ein Unikum darstellt, da zwischen der Verkündigung und der sog. Heimsuchung, die schwangere Maria allein dargestellt ist.

Und auf diese Figur bzw. auf diejenige der Verkündung fällt am 21. März und 22. September genau um 17.00 Uhr ein Sonnenstrahl. Symbol für die Befruchtung der Materie durch das Licht und hier gewiss zugleich eine Lehrstück für Baumeister.

Es handelt sich dabei um eine uralte Tradition, die bereits den Ägyptern bekannt war (z.B. Abu Simbel) aber auch im Westen (z.B. Neu Grange) Anwendung fand. Auch in Chartres erinnerte man sich an diese Tradition.

Diese Tradition ist in meinen Augen allein schon ein Beweis dafür, dass die mittelalterlichen Baubruderschaften in der ununterbrochenen Nachfolge der Erbauer der Dolmen stehen. Dass sie, wie Charpentier schreibt,

"den gleichen Platz einnehmen, wie die ägyptischen, phönizischen, griechischen, persischen, römischen und muselmanischen Baumeister.

Sie alle sind Träger und Vermittler jenes Wissens, das unter dem Siegel der Verschwiegenheit weitergereicht wird."

Das Maurer in grosser Zahl diesen Weg gingen, und hier auch arbeiteten, beweisen die überaus zahlreichen Steinmetzzeichen die man antrifft. Sie sind z.T. so tief eingegraben und so genau gezeichnet, dass die profane These, sie hätten lediglich der Berechnung des Lohnes der Steinmetzen gedient, sich als Unsinn herausstellt.

Viel dieser Zeichen treten an verschiedenen Stationen des Weges in Erscheinung. Dies beweist, dass die gleichen Künstler an mehreren Bauwerken gearbeitet haben.

Nicht nur Mauersteine, sondern vor allem auch Säulensegmente tragen Maurer-Zeichen.

Auch die schon erwähnte Tatsache, dass unter den sog. "Heiligen" im Umfeld des Jakobsweges viele ausdrücklich als Baumeister berühmt waren, zeigt den diesbezüglichen Stellenwert des Camino.

Die Erbauer von Chartres, mindestens der Künstler des Westportals zogen ebenfalls hier vorbei. Sie hinterliessen ihre unverkennbaren Spuren an einem Portal in Sangüessa.

Die gleichen gleichsam schwebenden und überschlanken Gestalten, das gleiche entrückte Lächeln wie bei den Figuren des Westportals von Chartres.

Der leierspielende Esel und die Wurzel Jesse sind ebenfalls anzutreffen.

Der Jakobsweg als Initiationsweg in die Mysterien

Domingo de la Calzada, wörtlich Domenikus vom gepflasterten Weg war einer der grossen Priester-Baumeister des Weges. Er baute nicht nur Kirchen, sondern auch Brücken und Strassen.

Auf seiner aus dem 12. Jahrhundert stammenden Grabplatte sieht man zu seinen Füssen einen Mann mit einem Hammer knien.

Dieser Mann mit dem Hammer in der Hand, kniet mit entblösstem Knie vor dem Heiligen. Es handelt sich somit zweifellos um die Darstellung einer Einweihung oder gar einer Erhebung, denn in der damaligen Kunst gab es in Bezug auf solche Details keine Zufälligkeiten, wie ich noch weiter ausführen werde.

Die Handhaltung des Heiligen ist, wie sich aus Vergleichen ergibt, diejenige des Emporhebens, des Erhebens.

Für mich ist diese Darstellung der deutlichste Beweis für die damalige Verbindung von Priestern, Baumeistern bzw. Maurern und Eingeweihten, den der Hammer und das entblösste Knie zusammen sind gewiss kein Zufall.

Wir kommen damit nun zu dem, was uns fast am meisten interessiert, nämlich zum Aspekt des Jakobsweges als Initiationsvermittler und Mysterienstätte.

Ich bin schon lange der Ansicht, dass die beiden Säulen, die in alten Kirchen die Chorapsis vom Schiff trennen, - manchmal auch andere - eine unmittelbare Beziehung zu den Säulen J und B in den FM-Logen haben.

Dadurch konnten nämlich die Kirchen, bzw. der Chor, der ja zur damaligen Zeit viel strenger von der übrigen Kirche abgetrennt war, gleichzeitig auch als Freimaurertempel in unserem Sinne gebraucht werden.

Der Bezug der Säulen zu den Säulen J und B zeigt sich in den meisten Fällen nur noch in einer unterschiedlichen Ausgestaltung der Kapitelle, die auf der einen Seite immer eine reichere Verzierung aufweisen während sie auf der anderen Seite gar nicht oder aber strenger und schlichter geschmückt sind.

Oder links eine Tierdarstellung und rechts ein Pflanzenornament etc.

In Quintallina de las vinas, einem der sog. Westgotenkirchlein aus dem 9. Jahrhundert fand ich jedoch eine eindrücklichere Bestätigung meiner Theorie. Dort sind nämlich diese Säulen oben an den Kapitellen unverkennbar mit Sonne und Mond geschmückt.

Wer etwa annehmen möchte, das könnte auch ein Zufall sein, der übersieht, dass die alten Baumeister nichts dem Zufall überlassen haben. Alles, aber auch Alles folgte einem genauen Plan und einer Leitidee. Die Kunsthistoriker nehmen im Allgemeinen an, die alten Baumeister und Steinmetze hätten bei ihren Schöpfungen einfach ihrer Phantasie freien Lauf gelassen.

Demgegenüber hat ein deutscher Musikprofessor in einem Buch nachgewiesen, dass die uns so phantastisch anmutenden Kapitelle in den Kreuzgängen, wie z.B. hier diejenigen im Kloster Santo Domingo de Silos, in Wahrheit Notenwerte einer gregorianischen Hymne darstellen.

Jede Säule ist ein Takt. Jedes der uns so rein willkürlich und phantastisch erscheinenden Tiermotive stellt einen Ton dar.

Reine Pflanzenornamente bezeichnen eine Pause. Alles folgt einem wohlgeordneten Plan.

Es ist deshalb nicht anzunehmen, dass die Sonne und der Mond rein zufällig und aus purem Schmucktrieb heraus hier dargestellt wurden.

Aus allem dem ergibt sich der Schluss, dass zu jenen Zeiten die freimaurerischen Rituale und die kirchliche Liturgie, wenigstens was den Klerus betrifft, noch nicht getrennt war. Das eine gehörte zum anderen. Ja mehr noch! Eine genauere Analyse der esoterischen Seite der kirchlichen Frühgeschichte würde ergeben, dass die kirchlichen Liturgien und die ganze kirchliche Organisation aus der damaligen Maurerei stammen.

Der Kirchenraum, so wie er sich in der typischen Kirche darstellt, zeigt noch heute die Herkunft aus dem Freimaurer-Tempel. Da ist der rechteckige Raum. Im Osten, in der sog. Apsis, erhöht der Altar und ursprünglich dahinter, d.h. an der Ostwand, Sitze für den Priester und die Ministranten, die zur damaligen Zeit ja ebenfalls Priester waren.

Dann der Chor, mit den beiden Kolonnen in Norden und im Süden.

Im Westen der Eingang. Oft stehen hier ebenfalls noch zwei Säulen.

Später wurde dann der Altar an die Ostwand gesetzt, vor ein Kreuz mit dem Korpus Christi. Damit wurde das Idol an den Platz des Meisters gestellt.

Was die höheren Initiationsgeheimniss des Jakobsweges betrifft, so beziehe ich mich auf meine, in verschiedenen Zeichnungen vorgetragenen These, eine ganz bestimmte mantrische Verwendung der Buchstaben I,A und O seien das tiefste und eigentliche maurerische Initationsgeheimnis und stelle die Frage, weshalb den wohl das Ziel der Reise gerade das Grab eine Jakobus, was auf spanisch IAGO heisst, ist.

Es hat, dies ist erwiesen, eine sog. Santiago-Mystik gegeben. Wichtige Orte dieser Santiago-Mystik waren vor allem Irland, England und Schottland. Die Vertreter und Verbreiter dieser Mystik waren die bereits erwähnten Iro-Schottischen Mönche. Es ist doch eigenartig, dass wir auch hier wieder auf die Schotten stossen, die doch auch in der Freimaurerei eine so grosse Rolle spielten. Eine Tradition, die zwar immer wieder bestritten und wegdiskutiert wird, die aber vielleicht doch nicht ganz so unbegründet ist.

Nicht von ungefähr kommt es daher auch, dass auch das Gralsgeheimnis mit den Pyrenäen und auch mit dem Jakobsweg verbunden ist. In dem kleinem Ort "O Cerebreiro", wo vor wenigen Jahrzehnten noch Menschen in keltischen Rundhütten lebten, ereignete sich ein Gralswunder, dessen Reliquien heute noch aufbewahrt und gezeigt werden.

Vielfältig sind die Spuren, die nach Irland und dem keltischen England führen. Ebenso geheimnisvolle Fährten führen zu den Katharern und den Templern. Da gibt es z.B. das Templerkirchlein von Eunate, ein achteckiger Bau, auf freiem Feld, weitab von jeder Behausung. Welchem Zweck diente er ?

Auf dem Jakobsweg sind natürlich tiefere Spuren von Initiationsgeheimnissen heute schwierig zu entdecken. Dies bräuchte auch wesentlich mehr Zeit, als mir zur Verfügung stand.

Zudem bin ich überzeugt, dass die Kirche später viele Spuren absichtlich verwischte und zerstörte, sofern sie sich nicht uminterpretieren liessen. Es waren und sind immer wieder Kräfte am Werk, welche die von Irland und Schottland (ursprünglich aber von Atlantis) ausgegangenen Impulse verschweigen und unterdrücken wollen.

Jene korrupten, machtlüsternen und geradezu verbrecherischen kirchlichen wie auch weltlichen Herrscher, welche die Katharer und die Templer verfolgten und die Inquisition einführten, wussten nur zu genau, dass hier, in diesem iro-schottischen und keltischen Bereich alle die von ihnen so grausam verfolgten Esoteriker wurzelten. Die Kirche hat die Leistung der irischen Mönche deshalb immer verdunkelt und verwischt.

Auch die Freimaurerei bestreitet die Existenz einer teilweise schottischen Herkunft ihrer Riten. So nach dem Motto "Was kann von Schottland schon Gutes kommen".

Trotzdem, die Zeichen einer vormals engen Verbindung zwischen Maurerei und frühem Christentum in seiner iro-schottischen Ausprägung sind vorhanden.

Da sind z.B. Kreuzformen, die an Irland bzw. die Kelten erinnern. Da sind aber auch noch andere Symbolformen, wie wir sie auch aus unserem germanischen Kulturraum kennen und an Schnitzereien der alpinen Regionen gemahnen.

Für diejenigen die Augen haben zu sehen, gibt es aber noch mehr zu entdecken.

Da wäre vor allem das sog. Chrismon zu nennen, das meist achtspeichige Rad mit dem Alpha und dem Omega, sowie einem als griechisches P gedeuteten weiteren Zeichen nebst einem sich um die Mittelachse windenden "S".

Dieses Chrismon, hier ein frisch renoviertes aus der Kirche von Roncesvalles, kommt in praktisch allen bedeutenden Kirchen des Jakobsweges vor. Zum ersten Mal bemerkte ich es in Jacca, dann in San Juan de Ortega und noch an vielen Orten.

Vor allem auch in der Kathedrale von Compostela, wo es mehrere Male vorkommt, meistens über Türstürzen angebracht.

Interessant ist, dass sich allmählich ein Typus herauskristallisierte, der überall fast gleich ist. Die Buchstaben sind wie Lampen aufgehängt. Zur weiteren Verdeutlichung wurden dem Chrismon auch noch Sonne und Mond zugesellt.

Damit bewegen wir uns hier wieder auf dem heiligen Boden des Initiationsgeheimnisses.

Oder war dieses Zeichen etwa das Siegel der Bauhütte?

Ich fand auch eine Pièta mit Sonne und Mond, und eine Kreuzigung. Auf der Letzteren ist auch der Sternenweg abgebildet.

Es gibt zum Teil schöne Erklärungen von Theologen und Kunstgeschichtlern dafür. Aber sie stammen alle aus einer späteren Zeit, die den ursprünglichen Grund nicht mehr kannte.

Das gleiche gilt auch für das Zeichen der Santiago-Ritter, ein Kreuz mit lilienartigen Verzierungen an den Enden und einem Dolch oder Schwert als Basis. Auch dieses Zeichen hat eine esoterische Bedeutung und eine Geschichte.

Die Elemente, aus denen es sich zusammensetzt, sind entlang des ganzen Jakobsweges und wahrscheinlich auch noch darüber hinaus, immer wieder anzutreffen.

Es scheint, als ob sie geradezu eine Entwicklung durchmachen.

Im Kloster Leyre, fast am Anfang des Weges, in der Krypta mit den merkwürdigen Kapitellen, treffen wir diese Elemente noch gleichsam in ihrem Urzustand an. Sie wirken sehr archaisch und ihre heidnisch-keltische Herkunft aus der Doppelspirale ist noch gut erkennbar.

Später verwandeln und entwickeln sie sich weiter. In Leyre auf den seitlichen Kapitellen, streben die beiden Ur-Elemente noch auseinander.

In der Mitte, hinter dem Altar, sind sie jedoch bereits harmonisch verbunden, gleichsam gebündelt.

Auch der bereits erwähnte Eingeweihte Santo Domingo de la Calzada hält in der einen Hand einen Stab der am oberen Ende auf die gleiche Weise die Vereinigung der Gegensätze symbolisiert.

Am Schluss wird über verschiedene Zwischenstufen daraus das bekannte Santiago-Ritter-Kreuz, welches die Domherren von Santiago immer noch gross auf ihren Gewändern tragen und das an und in der Kathedrale mehrfach abgebildet ist.

Ich vermute, dass dieser Entwicklungsprozess auch mit der rituellen Entfaltung und Verbindung der dadurch dargestellten Urkräfte einherging. Ich meine damit, dass sie Parallelformen der mantrischen Zeichen I, A und O sind.

Das Alpha und das Omega, das A und das O, aus dem dann später bei Paracelsus das A und das Z, der Azoth, wurde, ist als eine Einheit betrachtet, ein Synonym für den Logos, das göttliche, schöpferische Wort, da, dazwischenliegend, alle Buchstaben mit denen Worte gebildet werden können, enthalten sind.

Santiago

Zum Schluss einige Impressionen aus der Kathedrale von Santiago de Compostela.

In der alten Krypta, diesmal als Schlusssteine im Gewölbe, finden wir wieder die Sonne und der Mond.

Dann das Portico de la Gloria, gewiss eines der schönsten romanischen Portale, die es gibt. Die unendliche Güte des thronenden Christus, das Lächeln des Daniel, und die Anmut der übrigen Figuren sind ganz unvergleichlich.

Die für uns interessanteste Figur ist jedoch "Maestro Matteo" genannt auch "Der Kopfstosser". Es soll sich dabei um den Baumeister und Künstler der Portico de la Gloria handeln, der sich auf der Innenseite des Portals, am unteren Sockel, verewigt hat. So blickt er unverwandt nach Osten, wo das Licht herkommt.

Sein Name "Kopfstosser" kommt von dem merkwürdigen Brauch her, mit dem Kopf gegen die Stirne des steinernen Abbildes zu stossen, mit dem Aberglauben, auf diese Weise etwas von seinem Wissen in den eigenen Kopf zu übertragen.

Vermutlich ein Relikt aus den Zeiten, wo die Brüder Maurer noch unterwegs waren und ihn mit dem Bruderkuss begrüssten. Zur Erklärung Profanen gegenüber, gaben sie dann diese Deutung, um nicht als Maurer erkannt zu werden.

Der alte Gruss der Santiago-Pilger, dessen mantrische Bedeutung offensichtlich ist, bilde den Schluss meines Berichtes:

Dios y Sant Jago Aya nos!

 
 
     

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