Zitat:
"Ein unerfasslich Großes hat das Schicksal unserm Willen anvertraut in
diesen ernsten Tagen, und wahrlich: "es ist eine Lust, zu leben" in
solcher Zeit, für jeden, der seines Eigenlebens Wert für alle Zukunft
kommender Geschlechter, in Wachheit und Verantwortung zu werten weiß!
... alle inneren Unruhen, alle undurchbildeten Triebe und Dränge nach
"ganz Neuem", Andersgeartetem, die jetzt gespenstige Trennungswälle und
Hassburgen zwischen Menschen und Menschen aufrichten, sind nur dann
sachlich richtig der treibenden und drängenden wirklichen Ursache nach zu
begreifen, wenn man eben um das geistige! Angelangtsein "an der Schwelle
eines jener lichten Höfe" (Sonnen- und Mondringe sind hier als Bild
benützt!) weiß. Es ist kein einziger irdisch normal gehirnbewusster Mensch
zu dieser Zeit im Dasein, der nicht dieses geistig-kosmische Nahesein
einer Umgestaltung des Erdenlebens in irgend einem Grade zu fühlen bekäme,
aber die übergroße Mehrzahl der Menschen auf Erden deutet dieses Fühlen
falsch, indem sie in das materielle irdische Gebiet der Außenwelt
projiziert und hier finden zu können meint, was sich im ewigen
substantiellen Geiste, soweit er dem Erdenmenschen zugänglich werden kann
in Wahrheit schon für Wenige ereignet hat, und in einem heute erst sachte
und zögernd beginnenden Zeitalter, nach und nach für Viele ereignen wird!
Und wahrhaftig ist es nur erst für die Wenigen bereits "eine Lust zu
leben", die im eigenen Empfindungsbewusstsein sich schon als Vorerben
einer helleren geistigen Zukunft erkennen!
Dass diese kommende Erhellung und Erleuchtung aus dem ewigen Geiste
alsdann auch in das alltägliche äußere irdische Leben der Menschen auf
Erden ausstrahlen wird, unterliegt nicht dem leisesten vernünftigen
Zweifel....
Diese Entfaltung der Fähigkeit zur Wahrnehmung des substantiellen
ewigen Geistes in seiner ihm eigenen Struktur, kann im Menschen dieser
Erde in der beginnenden Zeitperiode erreicht werden, als Folge des
Angelangtseins der geistig-kosmischen "Bahn" des Erdverhafteten an einem
der "lichten Höfe", von denen ich sprach, und es ist wahrhaftig "eine
Lust" zu leben in dieser beginnenden Zeit, für jeden Menschen, der bewusst
dazu fähig wird, ihre geistige Gestaltung mitbestimmen zu dürfen, denn es
handelt sich ja hier um nichts Geringeres als das Freiwerden des
vergänglichen irdischen Lebens für die ihm aufnehmbaren Einwirkungen
substantiellen ewigen Gottesgeistes!
Es ist kein Wunder, dass die ganze menschliche Natur sich durch dieses
von ihr vorgefühlte, aber ihr noch nicht deutbare Anderswerdenwollen der
geistig-kosmischen Einflüsse auf das irdische materielle Leben, erregt und
zur Unruhe gedrängt fühlt, in der irrigen Meinung, dass sich ein Neues in
ihr rege, was auf Grund verstandesmäßiger Erwägungen die sich ja auch mit
Vorliebe der Affekte als Attrappen bedienen von ihr im irdischen
Außenleben geschaffen werden wolle.
Gerade darum aber handelt es sich nicht!
Alles, was aus verstandesmäßiger Erwägung her in das Blickfeld des
Erdenmenschen gelangt, ist von gewissen grundlegenden, rein mathematischen
Erkenntnissen allenfalls abgesehen: "Provisorium" ...
In jeder Wissenschaft, jeder Praxis der Technik und jeder Form
gesellschaftlichen Lebensverbandes, die aus gehirnlichen Denkschlüssen,
Beobachtungen, Erfahrungen und affektbetonten Folgerungen her ihre
Direktiven empfangen, reiht sich so ein Provisorium an das andere, wobei
die Aufstellung eines neuen immer zu Recht oder zu Unrecht so lange als
Fortschritt, Vertiefung der Einsicht, oder Verbesserung angesehen wird,
bis ein allerneuestes Provisorium Geltung erlangt.
Jedes gerade geltende verstandesmäßige Provisorium der Erkenntnis, der
Weltansicht und der Lösungsbereitschaft wirtschaftlichen, physikalischen,
chemischen, wie mechanisch technischen Problemen gegenüber, wirkt eine
Zeit lang und mitunter sehr lange Zeit! mit hypnotischer Gewalt auf die in
Betracht kommenden Gehirne, denn es ist ihnen Anlass zu ungewollter, weil
unbewusster Selbsthypnose, aus der auf jedem Einzelgebiet wieder eine
unberechenbare Menge von Selbstsuggestionen hervorsprießen wie Pilze nach
warmen Regennächten. Jede Wahl und Wertung ist infolge solcher
Selbsthypnotisierung unmöglich gemacht, bis irgendwo Einzelne doch durch
besondere Umstände ihrer Freiheitsbenommenheit innewerden, um kraft ihrer
wiedererlangten Urteilsfähigkeit die bisherigen Wege abzulehnen und neue
zu bahnen, die aber auch nur wieder neue Provisorien sind.
Was dem Erdenmenschen jedoch, durch die Entfaltung seiner verkümmerten
Empfindungsfähigkeit, aus dem ewigen substantiellen Geiste her aufnehmbar
werden soll, ist zuerst die hohe Geistesmacht des Schutzes gegen das
ungewollte Verfallen in irgendeine Art der Selbsthypnose aus eigenen
erdgebundenen Gedankenkräften. Er soll nicht der Sklave seiner selbst
bleiben, sondern aus ewigem Lichte Herr seines gedanklichen Meinens,
Fürwahrhaltens und exakten Wissens werden, der frei von aller hypnotischen
Bindung an Provisorien, in untrüglicher Sicherheit wählt und wertet nach
einer geistigen Einsicht, die nur dem Ewigen in ihm offenbar werden kann!"
(Über die Gottlosigkeit,
Bô Yin Râ, 1939)