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Haltung und Bewegung des Körpers
Das Wissen um die Wirkung der Körperhaltung
auf die Psyche ist uralt und war noch bis ins Mittelalter hinein lebendig.
Schriftliche Überlieferungen existieren zwar meines Wissens im Westen darüber
kaum (wenn man von gewissen Anleitungen zur Atemführung bei den Mönchen des
Athos einmal absieht). Aber anhand von Bildern lässt es sich erkennen. Die
Kunstwerke des Altertums sind eine Fundgrube von Beispielen für meditative
oder einfach wirkungsvolle und ausdrucksstarke Körperhaltungen. Im Osten sind
diese durch die Yogastellungen sehr reich vertreten. Die Yogastellungen
(Asanas) sind im Grunde genommen Meditationsstellungen. Ich glaube jedoch
nicht, dass wir heutigen Europäer unmittelbar mit Erfolg an die Yogatradition
anknüpfen können. Wir wissen zu wenig über die Wirkung der Stellungen und über
ihre Bedeutung und dürften zu den meisten von ihnen keine Beziehung haben.
Immerhin gibt es doch einige Übungen, welche
mit Nutzen verwendet werden können.
1.1 Körperhaltungen und Körperstellungen
1.1.1 Liegen
Das Liegen, verbunden mit einer ruhigen und
langsamen gefühlsmässigen Durchdringung des ganzen Körpers verhilft zu einer
raschen und vollständigen körperlichen Entspannung. Da dieses eine der
Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Meditation überhaupt ist, kommt
dieser Übung, besonders in der heutigen Zeit eine grundlegende Bedeutung zu.
Das Wichtigste dabei ist, ein fühlendes sich Versenken in den eigenen Leib, so
dass in jedem Teil des Körpers, das ihm eigene Bewusstsein wachgerufen und als
zum Ich gehörend erkannt wird. Es geht also nicht darum, wie oft beim sog.
autogenen Training, den Körper fühllos zu machen und ihn quasi auf die Seite
zu stellen, sondern im Gegenteil, ihn bewusst zu machen.
Für die Meditation selber ist das Liegen
übrigens eine weniger günstige Position, aus Gründen, die bei der Besprechung
der Sitzhaltungen erwähnt werden. Immerhin, wenn es sein muss (z.B. bei einer
Krankheit) und man nicht einschläft dabei, kann man ohne weiteres liegend
meditieren.
1.1.2 Sitzen
Die Sitzhaltungen sind die wichtigsten
Körperhaltungen bei der Versenkung. Obwohl es nicht unbedingt nötig, d.h.
nicht absolut zwingend ist, so ist es doch empfehlenswert, eine richtige
Sitzhaltung zu beherrschen. Nicht zuletzt deswegen, weil die Meditation zur
Voraussetzung hat, dass man still Sitzen kann. Dies ist eine körperliche
Tätigkeit und muss gelernt, vor allem aber geübt werden.
Man sollte täglich diesen Sitz, bzw. einen
davon, üben. Wenn man ihn soweit beherrscht, dass man ihn längere Zeit
bewegungslos einnehmen kann, hat man den ersten Schritt zur richtigen und
eigentlichen Meditation getan. Der zweite Schritt ist dann, so weit zu kommen,
dass man sich in diesem Sitz fast so gut entspannt, wie beim Liegen, d.h. man
darf nicht verkrampft Sitzen, der Körper darf uns fast nicht mehr zum
Bewusstsein kommen. Natürlich wird im Sitzen, im Vergleich zum Liegen, immer
eine gewisse Spannung bestehen, aber diese Spannung, wenn sie lediglich darauf
beschränkt ist, als für eine gerade und aufrechte Haltung nötig ist, übt einen
für die Meditation förderlichen Einfluss aus indem sie das Einschlafen
verhindert. Ferner ist die Disziplin und Selbstbeherrschung, die es braucht,
um eine solche Haltung längere Zeit einnehmen zu können, ebenfalls ein
positiver Beitrag zur Meditation und wirkt sich auch in einer allgemeinen
Stärkung des Willens aus.
1.2. Hand‑ und Fingerhaltungen (Mudras)
1.2.1 Gebetshaltungen
Die bei uns bekanntesten meditativen
Handstellungen sind die sog. Gebetshaltungen. Ihr Sinn ist, wie bereits
erwähnt, der, dass bei einem Zusammenschliessen der Hände eine Art von
magnetischem Strom kurzgeschlossen wird und dadurch ein Schutzschirm um den
Körper errichtet wird. Die Aura wird dadurch weniger empfänglich für äussere
Einflüsse schädlicher oder störender Art. Wir sollten deshalb bei den
Meditationsübungen nach Möglichkeit die Hände zusammenfügen.
1.2.2 Übrige Mudras
Weiter sind bei uns die sog. Segensgesten
bekannt. Auf vielen älteren Bildwerken und Statuen kann man diese Haltung
sehen. Sie sind insofern auch meditativ, als sie etwas innerseelisches aus
drücken. Man kann also solche Gesten einmal selber ausprobieren und dabei zu
empfinden versuchen, was sie ausdrücken.
Im Osten kennt man nun noch eine grosse Zahl
von Fingerstellungen. Es gibt dort sogar etwas wie eine Fingersprache indem
jedes Gefühl durch eine bestimmte Fingerstellung ausgedrückt wird. Diese
Fingersprache wird bei heiligen Tänzen und rituellen Aufführungen von Mythen
und Legenden verwendet.
Einige diese Gesten sind auch bei uns
bekannt. Z.B. die schutzverleihende Gebärde und diejenige der Wunscherfüllung
welche bei uns oft ganz unbewusst gebraucht werden.
1.2.3 Sonstige Körperhaltungen und ‑
Stellungen (Asanas)
Dazu gehören die verschiedenen Haltungen
wie wir sie auf alten Bildern und Statuen gewahren können. Dabei wird der
Mensch selber zu einem Zeichen. Insofern könnte man diese Übungen auch zu den
Mitteln der Zeichen zählen.
Bei uns kennt man dabei vor allem die
Haltung des Knieens. Dann vielleicht noch die Herrscherhaltung, d.h. die
Stellung des Königs auf dem Thron. Früher waren auch bei uns noch mehr solche
Haltungen bekannt, wie die alten Bilder und Statuen beweisen. Um hier wieder
an die Tradition anzuknüpfen kopiert man ebenfalls am besten die Haltung auf
diesen alten Darstellungen auf eine langsame meditative Weise und versucht, zu
empfinden, was sie ausdrücken und was sie somit in uns auch hervorrufen
können. Dabei nähern wir uns natürlich dem Yoga welches eine grosse Fülle
solcher Haltungen kennt. Diese Übungen haben den grössten Einfluss auf den
Körper mit Ausnahme der Atemübungen. Bei ihrer Anwendung ist deshalb auch
Vorsicht geboten. Sie sollten nur verwendet werden, wenn sie entweder relativ
harmlos sind, (wie z.B. die Liege‑ und Sitzhaltungen etc.) oder insofern und
insoweit sie seelisch miterlebt und empfunden werden können. Vor allem sollten
sie nur sehr dosiert verwendet werden.
1.3. Köperbewegungen
1.3.1. Gehen
Das Gehen, als eine der grundsätzlichsten
Tätigkeiten des Menschen, (sein aufrechter Gang unterscheidet ihn vom Tier)
ist auch die wichtigste meditative Bewegungsübung. Sie ist im Zen‑Buddhismus
unter dem Namen Kinhin bekannt und besteht in einem äusserst langsamen,
konzentrierten, behutsamen und bewussten Gehen, bei welchem vor allem jede
Bewegung auch innerlich mitvollzogen wird. Es ist die Grundlage jeder
meditativen Bewegungsübung überhaupt.
1.3.2 Tanzen
Das Tanzen als Meditation wird praktisch nur
noch im Osten geübt, als heiliger Tempeltanz. Immerhin gibt es bei uns die
Überlieferung vom Tanz Davids vor der Bundeslade. Es ist dabei eher an eine
Folge von Bewegungen zu denken, in dem Sinne, dass verschiedene meditative
Körperhaltungen durch langsame Bewegung ineinander überführt werden. In diesem
Sinne müsste man es jedenfalls versuchen, wenn man Interesse an diesem
meditativen Mittel hat.
1.3.3 Übrige
Darunter fallen vor allem die japanischen
Kampfsportarten wie Judo, Karate, Jiu-Jitsu und vor allem Aikido, welche ja alle
aus dem Zen-Buddhismus entstanden und im Grunde genommen alle ein starkes
meditatives Element beinhalten. Ferner wäre hier vor allem noch das
Zen‑Bogenschiessen zu nennen, (ebenfalls japanischen Ursprungs) das im Grunde
genommen eine reine Meditationspraxis ist.
1.4. Atemübungen
Die Atemübungen sind die gefährlichsten
Körperübungen und zwar deshalb, weil sie, abgesehen von rein physischen
Schädigungen auch solche an unserem feinstofflichen Organismus hervorrufen
können. Es ist deshalb im Grossen und Ganzen davon abzuraten. Allenfalls kann
man sehr dosiert, einige einfache, schlichte Atemübungen vornehmen. Ich denke
dabei z.B. an richtiges Atmen, nämlich Tiefatmen, Zwerchfellatmen. Ferner kann
man auch in der Meditation sich einfach auf den Atem konzentrieren, ihn
beobachten, ihn kommen und gehen lassen wie er will. Eine solche Atemübung ist
äusserst nützlich und empfehlenswert. Bei allen anderen Atem-Übungen, vor allem
östlicher Herkunft, ist Vorsicht geboten, wenn auch die bei uns bekannt
gewordenen Übungen alle noch verhältnismässig harmlos sind und die wirksamsten
Übungen nach wie vor noch geheim gehalten werden.
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