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Macht des Wortes

 

Die Kategorie der auditiven Mittel ist zugleich die Höchste. Auch in ihr hat es verschiedene Unterkategorien und Klassen.

 

3.1.   Ton

3.1.1  Musik


 

Musik verwendet man in der Meditation am besten zum Einstimmen. Als Vorbereitung auf eine eigentliche Meditation. Musik ist in erster Linie ein Stimmungsmittel. Man könnte sie eigentlich zu den Hilfsmitteln zählen. Immerhin gibt es eine gewisse Musik,

 

z.B. Orgelwerke von J.S. Bach oder vielleicht auch bestimmte östliche Stücke, die ein sehr starkes meditatives Element besitzen und zu denen man auch eigentliche Meditationsübungen machen kann. Die Musik entspricht im Grossen und Ganzen eher der Seele  als dem Geist.

 

3.1.2 Gesang

Gesang und Chorgesang bildet der Übergang von der Musik zum Wort. Trotzdem Worte verwendet werden, überwiegt im Allgemeinen der musikalische Aspekt über den wortmässigen. Chorgesang wird und wurde vor allem im religiösen Bereich eingesetzt, wie im liturgischen Gebrauch der Kirche usw.

 

Sein Wert liegt vor allem darin, dass viele verschiedene Menschen sich aufeinander einstimmen, auch im Gefühlsbereich, und dann alle auf der gleichen Wellenlänge schwingen. Eine solche Stimmung von Menschen, welche sich alle zum gleichen bestimmten Zweck versammeln, wirkt sich natürlich auch auf die übrige Aktivität der Gruppe aus.

 

In der Meditationspraxis kann man auf einfache Weise die positive Wirkung des Chorgesangs testen, indem man sich auf einen Ton einstimmt, ähnlich wie ein Chor. Am besten dazu geeignet ist die Silbe Om.

 

3.1.3 Klänge und Geräusche

Wer kennt nicht die einschläfernde Wirkung des Geräusches einer fahrenden Eisenbahn, von rauschendem Wasser?  Ferner die beruhigende Wirkung des leisen Plätschern eines Baches, Brunnens usw. sowie des Pendelschlags einer grossen Uhr?

 

Aber alle diese Mittel sind gerade deswegen nicht ohne Gefahr, weil sie mit der Zeit wie hypnotisierend wirken können. Aus eigener Erfahrung glaube ich jedoch, dass der Pendelschlag einer Uhr eine gewisse Hilfe bei der Meditation sein kann. Ebenso z.B. das Anschlagen eines Gongs, wobei man versucht, dem Ton bis ins nicht mehr Hörbare und Unhörbare nachzulauschen.

 

3.2.   Wort

Das Wort ist das stärkste und wichtigste Mittel, das es gibt, um eine Wirkung auf die Seele auszuüben. Vom Wort steht geschrieben, dass es “am Anfang” war und dass es “Gott war.”

 3.2.1 Rezitationen

Diese werden praktisch nur in den religiösen Kulten gebraucht. Sie liegen etwa in der

Mitte zwischen dem Chorgesang und den Mantras. Wesentlich und zu beachten ist dabei, dass sie meistens in einem bestimmten gleichbleibenden Ton gehalten werden.

 

Damit wird die Wirkung gesteigert. Man schlägt dabei sozusagen immer in die gleiche Kerbe.

 

3.2.2 Mantras

Die wichtigste Klasse der auditiven Mittel ist diejenige der Mantras. Mantra nennt man im Osten Worte oder Sätze, welche nur in der Meditation gebraucht werden. Ihr Sinn ist nur von untergeordneter Bedeutung. Die Hauptsache ist die klangliche, lautmässige Wirkung.

 

Die Wirkungsweise eines eigentlichen Mantras besteht darin, dass es die irdische Nachschöpfung, die irdische Form einer göttlichen Kraft, einer geistigen Schwingung darstellt. Alles beruht auf Schwingungen, positiven oder negativen, aufbauenden oder zerstörenden Schwingungen. Was somit beim Mantram wirkt sind einzig und allein die Lautschwingungen, die Vokalkombinationen, der Rhythmus eines Textes, seine Musik. Sie haben den Wert eines Stimmungs­mittels der Seele, sollen ähnlich wie eine Stimmgabel oder ein auf einem Musikinstrument angeschlagener Ton die Seele einstimmen und so helfen, sie umzuformen um aus dem Alltagszustand in einen, höheren inneren Einflüssen zugänglichen, Zustand versetzt zu werden.

 

Es gibt verschiedene wunderschöne alte überlieferte Gebete und “Gebetsformeln" welche diese Erfordernisse erfüllen, vor allem solche lateinischer Sprache. Bei diesen Gebeten kann es nun durchaus nützlich sein, sie möglichst oft zu wiederholen, woraus auch der heute nicht mehr verstandene Gebrauch des Rosenkranzes seine Rechtfertigung erhält. Im Osten wird übrigens ebenfalls eine Kette mit Holzperlen verwendet, zur genauen Abzählung der Anzahl der Wiederholungen eines Mantras  (sowie bei den Sufis)

 

Die Wirkung des Mantra darf aber nicht physikalisch verstanden werden, weshalb auch diese Gebete nicht laut gesprochen werden müssen. Der äussere Laut kann zwar, bis zu einem gewissen Grad, die innere Wirkung unterstützen, aber dabei wird es gefährlich, weil wir hier sehr schnell des Guten zu viel tun und dann eher Schaden nehmen. Nur die bei uns üblichen Gebete und Mantras dürfen so verwendet werden (z.B. die Texte der Messe also). Die Kirche hat schon in geschichtlich früher Zeit diese Texte und Gebete durch Musik und Melodien unterlegt. Vor allem die Gregorianik ist aus diesem Bestreben, die Wirkung der Lautschwingungen zu unterstützen, entstanden. Aber die östlichen Mantras, die allenfalls bei uns bekannt wurden, sind meistens zu stark, um laut ausgesprochen zu werden.

 

Wichtig beim Mantra, beim Üben damit, ist also, dass das Wort nur meditiert, d.h. innerlich gesprochen wird. Wenn man so weit kommt, dass man sich vom Mantra ganz tief in sich  selber ziehen lassen kann, bis in die grosse Stille, die auf dem Grund der Seele ist, hat man das Wesentliche der Meditation verstanden und erfasst.

 

Grundsätzlich ist zu sagen, dass fast jedes Wort jeder Sprache eine ”mantrische" Wirkung hat. Man muss nur darauf achten, dass es nicht zu abgegriffene Worte sind, weil Worte, die in aller Mund sind, weniger Kraft haben, als Worte die man nur selber kennt. Dies ist der Grund, warum viele dieser Mantras geheim gehalten werden und wurden. Die Sprache, die Worte können nämlich auch schmutzig werden durch vielen und schlechten Gebrauch und deshalb muss man, wenn man mit Mantras arbeiten will, darauf achten, dass man die Worte sorgfältig verwendet und genau überlegt, welche Worte man braucht, selbst in der alltäglichen Rede.    ‑       

 

Aus dem Gesagten geht hervor, dass es durchaus denkbar ist, wenn jemand sich selber ein Mantra schafft. Ein Wort, das niemand ausser ihm kennt. Die Schwierigkeit dabei ist nur, die Laute so zusammenzusetzen, dass ihre Wirkung positiv und optimal ist. Dies zu wissen, setzt aber bereits eine gewisse Stufe innerer Erfahrung voraus, sodass es für den Anfang besser ist, man hält sich an überlieferte Worte. Am besten an solche, von denen man weiss, dass sie von Menschen geschaffen wurden, die die nötigen Kenntnisse dazu besassen. Dazu kommt noch die überaus bedeutsame Tatsache, dass ein Wort auch Träger einer gewissen “Ladung” werden kann. Auf diesem Umstand beruht die Einweihungspraxis beim Yoga z.B. Ich möchte jedoch hier auf diese geheimen Dinge nicht näher eingehen.

 

Für den Anfang genügt ein Wort der gewöhnlichen Sprache, das einem besonders sympathisch ist und das auch eine gute Sache bezeichnet. Z.B. Kristall, Wahrheit, Klarheit usw. Ein solches Wort wird nun innerlich gesprochen, d.h. man konzentriert sich ganz darauf, lässt es in die Tiefe sinken. Ein Wort bzw. ein Mantra ist wie ein Licht, das, wenn man es in die eigene dunkle Tiefe sinken lässt, fähig ist, diese zu erhellen. Das kann nicht sofort geschehen, sondern nur durch längeres geduldiges  Bemühen. Das Wort muss dabei viele Male immer und immer wieder meditativ wiederholt werden.

 

3.2.3  Keimsilben 

Die Keimsilben sind die Bestandteile der Mantras. Es gilt im Grossen und Ganzen das Gleiche, was schon bei diesen gesagt wurde. Sie sind konzentrierter und noch wirkungsvoller. Es sind sozusagen Präzisionsinstrumente. Ihre Handhabung erfordert somit grössere Erfahrung und Kenntnis.

 

Die bekannteste dieser Keimsilben ist “Om". Om kennen wir auch bei uns, nur heisst es bei uns Amen. Das Om kam über das Hebräische als Amen zu uns.

 

Om wird auf zweierlei Weise ausgesprochen. Einmal kurz und kräftig. Der Sinn ist dabei die feierliche Bekräftigung. (Wie das Howgh der Indianer, das wahrscheinlich auch den gleichen Ursprung hat). Die andere Möglichkeit der Aussprache tönt wie Aum und ist damit unserem Amen näher. Aum ist die Lautschwingung des Seins. Der  Chor alles Lebens im Kosmos singt sozusagen ständig Aum.

 

Aus solchen Keimsilben wurden nun die mantrischen Formeln gebildet: Die bekannteste davon ist:

 

,,Om mani padme hum"

 

Westliche mantrische Formeln finden wir vor allem im Latein.

 

Hier werden oder wurden sie in der Liturgie gebraucht. Man erkennt sie daran, dass sie sich wiederholen. Z.B.:

 

Ave Maria, Kyrie Eleison etc.

 

 

 

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